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Reich-Ranicki spricht bei Gedenkstunde zum Holocaust
Berlin - Der Bundestag hat in seiner traditionellen Gedenkstunde an die Millionen Opfer des Holocausts erinnert. Als Hauptredner berichtete der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki aus seiner Zeit im Warschauer Ghetto.
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte in der Feierstunde, die jüngst aufgedeckte Mordserie von Neonazis verpflichte die Deutschen dazu, sich weiter mutig und engagiert gegen jegliche Form von Rechtsextremismus zu stellen.
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An der Veranstaltung nehmen auch Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle und weitere Repräsentanten von Staatsorganen sowie von Opferverbänden teil. Der Gedenktag erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945.
Lammert sagte, der Holocaust ermahne dazu, dass alle Menschen frei und ohne Angst leben können müssten. Die Mordserie mache aber deutlich, dass dieses Ziel noch nicht erreicht sei.
Reich-Ranicki schilderte in seiner Rede, wie er als Protokollant einer Sitzung im Warschauer Getto beiwohnte, mit der die Deportation tausender Juden ins Vernichtungslager Treblinka eingeleitet wurde. "An den beiden zum Konferenzraum führenden Türen waren Wachtposten aufgestellt", berichtete der 91-Jährige. "Sie hatten, glaube ich, nur eine einzige Aufgabe: Furcht und Schrecken zu verbreiten."
Die in den Vormittagsstunden des 22. Juli 1942 begonnene Deportation der Juden aus Warschau nach Treblinka habe bis Mitte September gedauert, schilderte Reich-Ranicki. Was die "Umsiedlung" der Juden genannt worden sei, sei in Wirklichkeit die Aussiedlung aus Warschau gewesen. "Sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck: den Tod", schloss Reich-Ranicki seine Rede ab. Auch seine Eltern wurden in Treblinka ermordet.
©AFP 2012
Foto: Wolfgang Kumm









